Aktuelles Heft

Band 10/2 – 2019

Natur und Geist

herausgegeben von Harald Schwaetzer und Wolfgang Ch. Schneider

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort
    Harald Schwaetzer / Wolfgang Christian Schneider
  • Von Lukrez und Plotin aus Naturphilosophie denken
    Wolfgang Christian Schneider
  • Natur, Geist, Existenz – Horizonte einer Naturphilosophie.
    In Anlehnung an Georg Picht
    Harald Schwaetzer
  • Ökologie und Handlungstheorien. Zwischen Ethologie
    und künstlerischer Kreativität
    Gianluca Cuozzo
  • Naturphilosophie in Japan. Eine Voraussetzung für eine neue
    Naturphilosophie – Problematik der Naturwissenschaften und
    der ‚Vernaturwissenschaftlichung‘ der Wissenschaften
    Kazuhiko Yamaki
  • Natur, Mensch und Gehirn. Plädoyer für eine kritische
    Wissenschaftsphilosophie der Neurowissenschaften
    Jan Cornelius Schmidt
  • Das Gesicht des Anderen. Cusanus auf dem Mars
    Gianluca Cuozzo
  • Semen Divinum. Natur und Vernunft nach Nikolaus von Kues
    Enrico Peroli
  • Pius II. Piccolomini und die Gestaltungsidee des Domes
    zu Pienza – Licht und Schatten als sinngebende Akteure
    Elena Filippi
  • Die Göttin Natura in der Cosmographia von Bernardus
    Silvestris. Ein Blick auf die Vorgeschichte der
    cusanischen Naturüberlegungen
    Hannes Bonte
  • Warum Goethe I. P. V. Troxler zitiert: Zum Geist-Begriff
    im morphologischen Kontext
    Yuho Hisayama

Buchbesprechungen

  • Schelling: Ideen zu einer Philosophie der Natur. Zweite Auflage
    (1803). Hg. v. Manfred Durner / Patrick Leistner. AA I.13.
    Stuttgart 2018
    Harald Schwaetzer
  • Schelling: Vorrede (Philosophische Schriften Bd. 1); Philosophische
    Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freyheit; Caro-
    lines Grabstein im Kloster Maulbronn. Hg. v. Christoph Binkel-
    mann / Thomas Buchheim / Thomas Frisch / Vicki Müller-Lüne-
    schloss. Akademie-Ausgabe I.18. Stuttgart 2018
    Harald Schwaetzer
  • Gunter Scholtz: Philosophie des Meeres. Hamburg 2016
    Kirstin Zeyer

Vorschau auf das kommende Heft

Zu den Autoren

Vorwort

NATUR UND GEIST

„Natur und Geist“ umschreibt mit beiden Begriffen ein dreifaches Anliegen des vorliegenden Bandes der „Coincidentia“. Beide ins Gespräch zu bringen meint, erstens Bedeutungsschichten des Naturverständnisses auszuloten, die geeignet sind, die Natur und unsere Begegnung mit ihr angesichts gegenwärtiger Herausforderungen adäquat und unverkürzt, mehrdimensional, in den Blick zu nehmen. Zweitens wird damit auf die historische Perspektive und die kulturelle Entwicklung und Bewusstseinsverschiebung hingewiesen; die „physis“ der Griechen ist keineswegs mit dem beschrieben, was wir heute unter „Natur“ verstehen. Drittens schließlich lenken die Beiträge das Auge auf die Wahrnehmung der konstitutiven Begegnung von Natur und Mensch.
Der erste Teil des Bandes ist dabei eher systematisch angelegt. Der zweite Teil diskutiert die Fragestellungen von Nikolaus von Kues und seiner Zeit her.
Die Beiträge entstammen drei unterschiedlichen Tagungen, verantwortet von Mitgliedern der Kueser Akademie. Hiroko Masumoto, gegenwärtig Vizepräsidentin der Universität Kobe (Japan), und Harald Schwaetzer haben im Juni 2016 in Bernkastel-Kues ein deutsch-japanisches Symposion „Natur, Geist, Schicksal“ organisiert. Gianluca Cuozzo, Präsident der italienischen Cusanus-Gesellschaft, und Harald Schwaetzer haben im Juli 2016 ebenfalls in Bernkastel-Kues eine deutsch-italienische Cusanus-Tagung veranstaltet unter dem Titel „Natur und Geist bei Nikolaus von Kues“. Eingeflossen in diesen Band sind darüber hinaus Beiträge von der Summerschool „Naturphilosophie nach dem Ende der Natur?“ vom Mai 2017, die Harald Schwaetzer gemeinsam mit Wolfgang Christian Schneider und Studierenden der Philosophie der Cusanus Hochschule, insbesondere Carmen Nik Nafs und Sophie Asam, veranstaltet hat.
Auf je verschiedene Weise führen alle diese Beiträge in dieselbe Richtung: Als zoon politikon, als Gemeinschaftswesen, muss sich der Mensch klar machen, dass die Gemeinschaftlichkeit nicht nur eine solche der Menschen ist, sondern auch eine Gemeinschaftlichkeit mit allen übrigen Mitwesen (zoa) und mit der Natur insgesamt meinen muss. Denn mit jeder Faser ist der Mensch in die Natur eingebunden, nur mit ihr kann er leben, sich entfalten, überleben. Selbst vordergründig für ihn unbedeutende Wesenheiten sind zu beachten, weil sie doch sein Leben auf die eine oder andere Weise mittragen, indem sie die vielen dem Menschen notwendige Wesenheiten der Natur ermöglichen, d.h. diese nähren, fördern oder Frucht werden lassen. Das Verwobensein der Lebewesen muss mit neuem Ernst bedacht werden, gerade auch des Menschen wegen. Und dieses Denken muss Handeln werden, ein Handeln, in das jeder Einzelne einzutreten hat, das jeder auf sich zu nehmen und zu verantworten hat. Eine solche Verantwortung muss auch leitend sein bei der Ausgestaltung der vom Menschen für seine Zwecke aufgebauten technischen Strukturen. Bei deren Nutzung hat sich der Mensch vor dem Ganzen der Gemeinschaftlichkeit zu rechtfertigen. Sie sind Mittel, nicht Zwecke, und sie sollten ihre Grenze darin haben, Mittel zu bleiben. Auf dem Weg, eine dementsprechende Sensibilität zu erwerben und zu formen kann der Blick in frühere Zeiten und fernere Kulturen konstruktiv wirksam werden, ebenso schöpferisch-künstlerische Vorstellungen und Gestaltungen. Sie vergegenwärtigen und öffnen einen Raum, in dem der Mensch seine Identität in Gemeinschaftlichkeit erproben, erlernen und ausgestalten kann.
Der vorgelegte, von Harald Schwaetzer verantwortete Band gehört zum Forschungsschwerpunkt der Naturphilosophie der Kueser Akademie und ihres Philosophischen Seminars. So wird in der Reihe „Texte und Studien zur Europäischen Geistesgeschichte“ bald ein weiterer Tagungsband in Zusammenarbeit mit der DFG-Kollegforschungsgruppe „Lyrik in Transition“, insbesondere mit Prof. Dr. Henrieke Stahl, zu Lyrik und Philosophie im Anthropozän folgen.
Für die Mitarbeit bei der Drucklegung des Bandes sei Sophie Asam, stud. Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, und PD Dr. Kirstin Zeyer herzlich gedankt.

Harald Schwaetzer / Wolfgang Christian Schneider